Schlagwörter

, , , , , , , , ,

Liebe Leser,

vor vielen Jahren begann ich damit, zu Weihnachten statt der ewig gleichen Floskeln auf Hochglanzkarten, eine Weihnachtsgeschichte zu verschicken. Es ist mir, mit der Zeit, eine lieb gewordene Tradition geworden. Besonders seit ich in einem Jahr einmal, aus Arbeitsüberlastung, darauf verzichten wollte. Ab Mitte Dezember gingen die Nachfragen bei mir ein. Sie klangen alle in etwa gleich: “ Die Geschichte ist aber diesen Advent spät dran. Wir warten schon darauf! Sie wird bei uns jedes Jahr unter dem Weihnachtsbaum verlesen.“

Wie gut das ich einmal aussetzen wollte, sonst wüsste ich vielleicht bis heute nicht, in wie vielen Familien ich „Bestandteil“ des heiligen Abends sein darf! So bin ich auch dieses Jahr wieder stolz und glücklich eine Weihnachtsgeschichte heraus zu bringen, zum allerersten mal auch online zu lesen:

Erfahrungen werden auf der Erde gemacht

kleine SeeleDie kleine Seele war lange in glücklicher, lichtvoller  Einheit aufgegangen. Allmählich fühlte sie, dass es Zeit wurde neue Erfahrungen zu sammeln. Sobald sie sich aus der seligen Einheit herausnahm spürte sie den brennenden Wunsch eine Aufgabe zu übernehmen. Die allumfassende Weisheit, die sie im Zustand der Glückseligkeit erfahren hatte, wollte sie nun voller Eifer mit anderen teilen.

So begab sie sich zum Erzengel Gabriel und bewarb sich als Schutzengel. Ich habe hinunter gesehen auf die Erde und beobachtet dass die Menschen sich aus Dummheit selbst schaden, einander absichtlich oder unabsichtlich weh tun und nachdem ich solange in göttlicher Weisheit geschwommen bin könnte ich sie, als Schutzengel, sicher anleiten es besser zu machen!

Ernst und aufrichtig hörte Gabriel zu, doch die kleine Seele konnte sich des Gefühls nicht erwehren das er innerlich grinste. „Schutzengel zu sein ist eine wichtige  Aufgabe“ antwortete er „ ich danke dir dass du dich zur Verfügung stellst. Ehe ich lange erkläre, alle Theorie ist grau, am besten du probierst es einfach einmal aus. Dort auf der Erde gibt es noch andere Bewohner die sich zum Üben zur Verfügung stellen, schau das ist Bello!“

Emi on Tour

In diesem Moment blickte ein tollpatschiges, zotteliges Etwas mit großen Augen zum Himmel. Die kleine Seele erschrak. Das war ja ein Hund!? Sie schluckte ihre Enttäuschung tapfer hinunter, schließlich wollte sie sich beweisen und Bello sollte wohl so eine Art Test sein. Na gut, entschlossen krempelte es die Schutzengel – Hemdsärmel hoch und machte sich auf den Weg….

Streng rollte der frisch gebackene Schutzengel, angesichts einer ersten Einschätzung der Lage, die Augen. Das Vieh, völlig überdreht, zog und zerrte wild im Zick Zack an der Leine.  Sein Frauchen, wohl eine ziemliche Tussi, wirkte reichlich überfordert! Die schicken High Heels die sie trug waren aber auch zu lächerlich zum Hund ausführen, da wollte das Engelchen gleich mal Abhilfe schaffen. Ratzfatz ließ es die Absätze abbrechen. In flachen Schuhen läuft man doch sicher viel besser!

Gut, Frauchen fiel verdutzt auf die Nase aber schließlich war er gekommen den Hund zu beschützen! Was war jetzt wieder los?! Diese Pute hatte die Leine losgelassen, Bello sauste mit wehenden Schlappohren die Straße entlang.

Was jetzt geschah ging alles viel zu schnell! Ein Auto erfasste Bello. Unser Engel hörte quietschende Bremsen, krachen und jaulen. Oh, mein Gott! Da lag der Hund winselnd und blutend, seine Besitzerin kreischte, der Autofahrer brüllte. Kinder mit schockgeweiteten Augen saßen erstarrt im Auto. Das Mädchen tränenüberströmt, der Junge wie versteinert.

Weihnachten Da ergriff die kleine Seele allergrößte Panik. Sie flog davon so schnell sie konnte. Sie schämte sich so sehr. Sie hatte versagt, ganz fürchterlich versagt! Nie mehr konnte sie einem anderen Lebewesen unter die Augen treten, nie mehr wollte sie zurück in den Himmel gehen. Am liebsten würde sie einfach aufhören zu existieren. Die kleine Seele versteckte sich am einsamsten, dunkelsten Ort auf der Erde den es finden konnte. Es hörte wohl das Rufen des Erzengels, doch es wollte nicht antworten….

Auf der Erde wurde es immer kälter und dunkler und unsere kleine Seele wusste das nun die Weihnachtszeit nahte und es würde nicht länger ausweichen können.

Zur Weihnachtszeit werden selbst die geheimsten und verstecktesten Engel sichtbar, so mancher von uns konnte schon mal einen Blick auf sie erhaschen, in diesen Tagen voller Wunder und Geheimnisse. Am Heiligen Abend dann, versammeln sich alle Geschöpfe des Himmels feierlich um die Neugeburt der Liebe in der größten Dunkelheit zu verkünden. So sehr sich die kleine Seele auch sträubte, diesem Sog konnte sie sich nicht entziehen.

Nun würde es Schimpf und Schande über sich ergehen lassen müssen und noch schlimmer als das, es konnte sich nicht länger vor sich selbst verstecken! Am großen Tor stand schon Gabriel um die kleine Seele in Empfang zu nehmen. Sie versuchte noch sich zu ducken, doch da hatte er sie schon erwischt und nahm sie ganz fest in den Arm.

Es tat so gut Zuhause zu sein! Nach einer sehr langen Umarmung und vielen, vielen Tränen schaut die kleine Seele vorsichtig in Gabriels Gesicht. „ Schimpfst du gar nicht mit mir“ fragte sie zaghaft?

„Ich habe keinen Grund zur Klage“ sagte er mit der gleichen rätselhaften Mine die er scheinbar immer an den Tag legte. „Komm ich will Dir etwas zeigen“. Vom großen Wolkenbalkon aus blickten sie hinunter auf die Erde in ein wunderschön geschmücktes Weihnachtszimmer. Gerade war Bescherung!

WeihnachtenIn trauter Einheit saßen alle Schützlinge beisammen, die Erwachsen hielten mit romantisch verklärtem Blick Händchen, Bello verdrückte gerade putzmunter eine große Wurst. Mit fragenden Augen und einem dicken Klos im Hals sah die kleine Seele Erzengel Gabriel an, der diesmal seinen ewig sphinxhaften Gesichtsausdruck  gegen ein breites Lächeln eingetauscht hatte.

„Schau“ sagte er “Du bist der geborene Wunschengel! Im Handumdrehen ist es dir gelungen vier Menschen und einen Hund glücklich zu machen!  Unser Bello hatte sich sehnlichst eine Familie gewünscht. Er war die meiste Zeit allein, seit sein vorhergehendes Herrchen verstorben war. Sein neues Frauchen war sehr nett und er war ihr wirklich dankbar dass sie ihm das Tierheim erspart hatte, doch sie war ständig überfordert und in Zeitnot. Vollzeit berufstätig versuchte sie zwar zwischen durch schnell mit ihm Gassi zu gehen, nahm ihn sogar manchmal mit ins Büro, doch Bello war ein kraftvolles Tier und brauchte viel Auslauf. Sein sehnlichster Wunsch waren jedoch immer Kinder gewesen, die mit ihm toben würden!

Ja und auch die Dame selbst spürte das sie etwas in Ihrem Leben etwas ändern wollte. Sie hatte sich doch einmal Familie gewünscht, aber den richtigen Partner dafür scheinbar nie getroffen. Wenngleich ihr klar war das die Zeit eine Familie zu gründen schon abgelaufen war, gab sie den Wunsch doch nie auf. Wer weiß, vielleicht würde noch ein Wunder geschehen!

Ganz ähnlich erging es unserem Autofahrer. Seit längerem geschieden wünschte er sich wieder eine Partnerin an seiner Seite. Er wusste, es müsste eine gestandene, selbstbewusste Frau sein eine andere würde es wohl kaum mit ihm aushalten! Und nun, meine liebe kleine Seele, darfst Du raten was sich die Kinder gewünscht haben?Dezember Seit Jahren betteln sie um einen Hund! Ich glaube Du bist der begabteste Wunschengel den ich seit langer Zeit einweihen durfte!“

So gab es an diesem Weihnachtsabend  im Himmel und auf der Erde viele strahlende, glückliche Gesichter.

Ich wünsche von Herzen gesegnete Weihnachten und ein freudvolles Jahr 2014

Tulla Gastl

Advertisements